Hinterländer Anzeiger am 18. März 2026
- 18. März
- 5 Min. Lesezeit
CDU triumphiert in Biedenkopf
Die Christdemokraten überholen die SPD und werden stärkste Kraft im Stadtparlament / Grüne legen gut zu
Von Susan Abbe
Der Wahlgewinner in Biedenkopf ist die CDU: 26,9 Prozent der Stimmen haben die Christdemokraten geholt und sind damit stärkste Fraktion im Stadtparlament – und das zum ersten Mal seit Jahrzehnten. „Ich bin seit 33 Jahren dabei – und in der Zeit war immer die SPD stärkste Kraft“, sagt CDU-Spitzenkandidat Siegfried Engelbach. Er sei total „geplättet“ vom Ergebnis. „Zufrieden ist noch untertrieben. wir sind mega-dankbar.“
Tatsächlich hat die CDU die anderen Parteien weit hinter sich gelassen. Die SPD kommt auf 18,1 Prozent. Bürgerblock (BB) und Zukunft für Biedenkopf (ZfB) holen je 15,6 Prozent, die Unabhängige Bürgerliche Liste (UBL) kommt auf 13,9 Prozent und die Grünen holen 9,9 Prozent. Die CDU erringt damit 10 der 37 Sitze in der
Stadtverordnetenversammlung; an die SPD gehen 7, an den BB und die ZfB je 6, an die UBL 5 und an die Grünen 3 Mandate.
Und: Nicht nur im Vergleich mit den anderen Parteien hat die CDU sehr gut abgeschnitten. Auch gemessen an ihrem eigenen Ergebnis von der letzten Kommunalwahl 2021 konnte die Partei deutlich zulegen: 2021 holte die CDU 18,1 Prozent der Stimmen, das waren 8,8 Prozentpunkte weniger als bei der jetzigen Wahl.
Die SPD hingegen hat im Vergleich zu 2021 rund 2,3 Prozentpunkte verloren. Während die Sozialdemokraten 2021 noch 8 Parlamentssitze gewannen, sind es nun nur noch 7.
Dennoch: SPD-Spitzenkandidat Sebastian Spies sagt: „Wir sind gar nicht unzufrieden mit unserem Ergebnis“. Spies erklärt: „Wir glauben schon, dass wir mit unseren Themen und Kandidaten die Bevölkerung erreicht haben.“
Dass die CDU „fulminant zugelegt“ habe, das müsse man anerkennen. Spies vermutet, dass auch der aktuelle Bürgermeister Jochen Achenbach, der der CDU angehört, zum Höhenflug der Christdemokraten beigetragen haben könnte – auch wenn er nicht selbst auf dem Wahlzettel stand. „Uns war schon vorher klar, dass die anderen Parteien zu kämpfen haben würden“, sagt Spies.
ZfB mit hauchdünnem Vorsprung vor dem BB
Dass die CDU an der SPD vorbeigezogen ist, dürfe für die Sozialdemokraten dennoch bitter sein. Bei den Wahlen 2016 und 2011 hatte die SPD immerhin noch 10 Prozent Vorsprung, 2021 waren es noch gute 2 Prozent. Jetzt liegt die SPD fast 9 Prozentpunkte hinter der CDU.
Federn musste auch der BB lassen. Er hat im Vergleich zu 2021 rund 4,2 Prozentpunkte – und damit mehr als alle anderen Parteien – verloren. Vor fünf Jahren holte der Bürgerblock 19,8 Prozent und 7 Sitze im Parlament. Jetzt kommt er auf 6 Mandate. Dennoch: „Angesichts des Gesamtumfeldes können wir mit dem Ergebnis gut leben“, sagt Spitzenkandidat Michael Miss. Die CDU sei aktuell landesweit stark, das sei auch in Biedenkopf zu spüren.
Bitter dürfe allerdings sein, dass der BB, der bisher drittstärkste Kraft in Biedenkopf war, nun die ZfB an sich vorbeiziehen lassen musste. Die ZfB kommt zwar gerundet genau wie der BB auf 15,6 Prozent der Wählerstimmen. Doch schaut man sich das Ergebnis ganz genau an, so liegt die ZfB mit 26.105 Stimmen ganz knapp vor dem BB mit 26.022 Stimmen.
Auf die Zahl der Parlamentssitze hat der hauchdünne Vorsprung aber keine Auswirkung: Die ZfB erhält wie der BB 6 Mandate. „Hochzufrieden“ mit dem Ergebnis zeigt sich ZfBSpitzenkandidat Markus Plitt. „Wir haben unser Ergebnis gehalten und liegen sogar vor dem BB.“ Festzuhalten bleibt dabei aber, dass sich auch die ZfB im Vergleich zur Wahl 2021 leicht, nämlich um 1,4 Prozentpunkte, verschlechtert hat.
Nach unten ging es auch für die UBL: 2021 holte sie noch 15,4 Prozent der Stimmen. Gemessen daran hat sie 1,5 Prozentpunkte verloren. Das ist zwar an sich kein massiver
Verlust, aber er hat Folgen: Denn während die UBL 2021 noch 6 Parlamentssitze gewann, reicht es nun nur noch für 5 Mandate. „Bei der letzten Wahl hatte wir sehr gut aufgeholt. Den sechsten Sitz hätten wir gern behalten. Jetzt haben wir ihn ganz knapp verpasst. Das tut uns leider weh“, sagt Spitzenkandidat Dirk Balzer.
Ganz und gar positiv blicken hingegen die Grünen auf die Wahl. Sie konnten ihr Ergebnis von 2021 – damals holten sie 5,8 Prozent und zwei Sitze – um 4,1 Prozentpunkte verbessern und haben nun 3 Mandate. „Wir haben unser Ergebnis fast verdoppelt. Unser Wahlziel waren 3 Sitze. Das haben wir erreicht. Die Grünen sind im Hinterland angekommen“, sagt Spitzenkandidat Matthias Peuckert.
Die mit Abstand meisten Stimmen bei dieser Kommunalwahl in Biedenkopf hat übrigens Siegfried Engelbach (CDU, 3082 Stimmen) erhalten, gefolgt von Albert Cziegler (CDU, 2901), Sebastian Spies (SPD, 2862), Markus Doruch (CDU, 2832) und Dirk Balzer (UBL, 2710).
Schaut man sich die Liste der 37 gewählten Stadtverordneten genauer an, so fallen dort viele bekannte Namen auf. Fast alle gehörten schon in der vorigen Wahlperiode dem Parlament oder Magistrat an. Nur wenige Namen sind neu: Stefan Bögel, Heinrich Lölkes (beide CDU), Stephan und Sarah Feuring (beide SPD), Stefan Vomhof (Grüne), Arno Sellmann und Jörg Nassauer (beide ZfB).
Jörg Nassauer und Arno Sellmann sind übrigens zusammen mit Albert Cziegler auch beste Beispiele dafür, dass bei Kommunalwahlen durchaus Kandidaten auf hinteren
Listenplätzen Chancen haben, ins Parlament gewählt zu werden. Grund ist das Kumulieren und Panaschieren: Die Wähler können ihre Einzelstimmen gezielt an Kandidaten vergeben. Albert Cziegler etwa stand auf der CDU-Liste auf Platz 11, erhielt aber so viele Stimmen, dass er fast alle CDU-Kandidaten überholte und auf Platz 2 landete. Bei der ZfB wurde Jörg Nassauer von Listenplatz 15 auf Rang 5 gewählt, Arno Sellmann sprang von Listenplatz 11 auf Rang 4.
Nur fünf Parlamentssitze gehen an Frauen
Nachteilig hat sich das Kumulieren und Panaschieren hingegen für die Frauen, die zum Teil durchaus auf guten Listenplätzen standen, ausgewirkt. Die Wähler haben mehrfach Männer von hinteren Plätzen an den Frauen vorbei nach vorn gewählt. Die Grünen etwa hatten mehr Frauen als Männer auf ihrer Liste – ins Parlament gewählt wurden dennoch drei Männer. Insgesamt haben die Wähler nur 5 der 37 Parlamentssitze an Frauen vergeben: an Margarethe Könemann, Anja Mock-Eibeck (beide CDU), Sarah Feuring (SPD), Gabriele Liebetrau (BB) und Eva Benner (UBL).
Auch die ganz jungen Kandidaten Sara Benner (Jahrgang 2006, UBL) und Jonas Plitt (Jahrgang 2002, ZfB) haben es trotz guter Listenplätze nicht ins Parlament geschafft.
Wobei anzumerken ist, dass die jetzige Stadtverordneten-Liste noch nicht die endgültige Zusammensetzung des Parlaments widerspiegeln dürfe. Zum einen müssen die 37 Gewählten die Wahl erst noch annehmen. Zum anderen werden einige Stadtverordnete noch in den Magistrat wechseln, so dass für sie andere nachrücken.
Das sind die Gewählten in der Reihenfolge ihrer Stimmenanteile:
CDU:
1. Siegfried Engelbach (3.082 Stimmen/Listenplatz 1), 2. Albert Cziegler (2.901/11), 3. Markus Doruch (2.832/2), 4. Uwe Plack (2.706, 4), 5. Margarethe Romana Könemann
(2.666/3), 6. Bernd Meißner (2.558/5), 7. Anja Mock-Eibeck (2.339/6), 8. Gerhard Hesse (2.314/10), 9. Stefan Bögel 2.268/8), 10. Heinrich Lölkes (2.253/7).
SPD:
1. Sebastian-Kurt Spies (2.862, 1), 2. Martin Herterich (2.569/3), 3. Christoph Schwarz (2.510/2), 4. Stephan Feuring (2.508/4), 5. Sarah Feuring (2.438/5), 6. Markus Scharf
(2.432/7), 7. Ernst Möschet (2.106/6).
Grüne:
1. Matthias Peuckert (1.779/1) 2. Peter Benjamin Sattler (1.532/6), 3. Stefan Vomhof (1.501/3).
BB:
1. Michael Miss (2.616/1), 2. Rainer Höhn (2.237/2), 3. Jörg Michel (2.133/4), 4. Werner Kattarius (1.989/5), 5. Manfred Wagner (1.817/3), 6. Gabriele Liebetrau (1.686/6).
UBL:
1. Dirk Balzer (2.710/1), 2. Thomas Mayerle (1.971/2), 3. Jörg Peter Sperling (1.889/6), 4. Jörn Christian Schreiber (1.841/3), 5. Eva Benner (1.722/4).
ZfB:
1. Markus Plitt (2.241/1), 2. Dominik Weimann (2.206/3), 3. Jonas Fenner (1.952/2), 4. Arno Sellmann (1.951/11), 5. Jörg Nassauer (1.926/15), 6. Manfred Bäcker (1.911/9).